Uris CD-Tipp


Juli 2010
Wanderer On The Edge Of Time


[Quelle]



Band: Mekong Delta
Album: Wanderer On The Edge Of Time
Jahr: 2010

Die Besetzung von Mekong Delta war von 1987-1990 das bestgehütete Geheimnis der deutschen (Thrash-)Metal Szene. Hinter mehr oder weniger originellen Pseudonymen befanden sich damals solche namhafte Musiker wie Peavy Wagner (Rage), Jörg Michael (Stratovarius / Saxon), Reiner Kelch und Frank Frick (Living Death), Uli Kusch (Holy Moses / Gamma Ray / Helloween / Sinner / Masterplan). Initiiert wurde das ganze Projekt von Mastermind Ralf Hubert.

Die Musik von Mekong Delta zu beschreiben fällt schwer, sie zu klassifizieren und in Schubladen zu stecken nicht minder. Progressiver Thrash-Metal, thrashlastiger Prog-Metal, Musik für Musiker, Math-Metal sind nur einige der Beispiele die in der Szene kursieren, aber keineswegs die Komplexität, Essenz und Substanz von Mekong Delta beschreiben können.

Was der Cool- und Free-Jazz für den Jazzer, Rimsky-Korssakoff, Mussorksky und Rachmaninoff für den klassischen Pianisten, Wagner für die Oper, Paganini für den Geiger, Karlheinz Stockhausen und Herbert Eimert für die punktuelle Musik, das ist Mekong Delta für ihr ganz eigenes Genre.

Mekong Delta stehen für Virtuosität und Finesse, Polyrhythmik, Polymetrik, einen komplizierten Songaufbau sowie musikalischen und lyrischen Tiefgang in ihren Werken.

In jener Tradition erschließt sich dem Auditorium auch das neue Album "Wanderer On The Edge Of Time" welches nahtlos an das 1990er Meisterwerk "Dances Of Death" anfügt. Da es sich bei Mekong Delta um ein kompositorisches Projekt von Ralf Hubert handelt, welches nicht an einzelne Musiker gebunden ist, liest sich die Bandbesetzung anno 2010 wie folgt: Alex Landenburg | Drums & Percussion , Benedikt Zimniak | E-Guitar, Erik -Adam H- Grösch | E-Guitars, 6 and 12 Accoustic Steel String Guitars (kurze Randnotiz: Erik konnten wir bereits im Mai 2005 mit seinem damaligen Bandprojekt Sensles live im Kornhaus bewundern), Martin Lemar | Vocals, Ralf Hubert | Bass & Concert Guitar.

Mit einem klassischen Konzertgitarren-Intro und der darauf folgenden artistisch verflochtenen Ouvertüre leiten Mekong Delta in das exorbitante "A Certain Fool (Le Fou)" über, welches das erste von sieben "Movements" darstellt. Die darauf folgenden komplexen Songstrukturen werden immer wieder in Form der genialen klassischen Konzertgitarren-Etüden von Ralf Hubert isoliert, um im nachstehenden Track von der kompletten Band weitergeführt zu werden.

Beide Gitarren sowie Bass liefern sich dabei virtuose Duelle. Ein Lauf jagt den nächsten, wobei sich jedes Instrument als eigenständigen Song zu definieren weiß, jedoch erst in der Überlagerung und im Zusammenspiel mit dem Schlagzeug die vielschichtige Genialität der Musik von Mekong Delta erörtert. Darüber schwebt der Gesang von Martin Lemar im Mitteltonlage und verwöhnt unsere Ohren mal mit verträumten, mal mit komplex verschlungenen, mal mit puren energetischen Linien. Meisterlich!

Einzelne Songs herauszuheben würde "Wanderer On The Edge Of Time" nicht gerecht werden. Das Werk ist eine Gesamtheit, ein Gefüge von miteinander verflochtenen Fragmenten, die sich uns dennoch als Einheit eruieren und in ihrer gesamten Bandbreite in Schönheit erstrahlen.

Marcus Uri Urspruch, im Juli 2010



Erstellt am 01.08.2010