Machs gut du schöne Zeit, Auf Wiedersehen!
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Über die Freundlickeit von Thekenpersonal
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„Neue Deutsche Härte“ stand also endlich mal wieder im Kornhaus-Veranstaltungskalender. Es war schon etwas länger her und auch ich wurde des Öfteren aufgefordert doch mal wieder die Wände in Hünfelds Musikkeller Nr. 1 ins Wanken zu bringen! Ich selbst lechzte auch danach in Uris Reich einzudringen und für jene Musik zu sorgen, die sich privat auf seinem Plattenteller genauso wenig dreht wie die Musik der periodisch stattfindenden House-Partys, auf welchen sich Uri stets mit Gitarre und Laptop bewaffnet im Kornhaus-Lager verbarrikadiert und wüsten virtuosen Progressiv-Metal für sein Band-Projekt „AMITAV“ (www.amitav.de) fabriziert!
Zu Beginn, als ich vor ca. 5 Jahren das erste Mal auflegte, beschränkte sich der Abend lediglich auf die auch von mir sehr geachteten Onkelz. Und dies war auch gut so. Die folgenden 2 bis 3 Partys standen ebenfalls unter dem Motto „Onkelz-Party“. Da sich die Besucherzahlen jenseits der Erwartungen einpendelten, erweiterten wir das Programm schließlich und nannten es fortan „Deutsch-Rock-Party“. Die erste Veranstaltung wurde auch gleich zum Publikumsmagneten“ zumindest ertönten die letzten Klänge erst um halb Fünf und nicht wie sonst üblich zwischen Eins und Drei. Doch auch an diesem Abend spielte ich gefühlte zwei Drittel Onkelz und das war vor allem den Musikwünschen geschuldet. Die nächste Party ließ nicht allzu lange auf sich warten und der Spieß drehte sich in Richtung Rammstein, addiert erklang sicherlich rund ein Drittel sehr geiler Musik der Berliner Kultband um Till Lindemann und die unvergleichbare Stimme eines gewissen Herrn Russels geriet schon etwas in den Hintergrund, vielleicht jedes fünfte oder sechste Lied kam noch von den Frankfurter Jungs. Von Frei.Wild wurden lediglich die „Klassiker“ vom 2008er-Album gewünscht.
Aber was jetzt bei der kürzlichen Party passierte wunderte mich einerseits schon sehr, aber letztendlich auch irgendwie nicht. Es erweckte den Anschein, dass die Legenden, wie sie sich selbst gerne nannten, zwar nicht sterben, sich jedoch in unserer Region in Richtung Wachkoma zu verabschieden drohen. Es wurden lediglich alte, ganz alte Klassiker, etwa „Mexico“, „Bomberpilot“ und Ähnliches gewünscht, von den Alben nach der „Es ist soweit“, die immerhin aus dem letzten Weltmeisterjahr 1990 stammt, wurde nur „Danke für nichts“ gefordert. Dafür hätte ich mit den Wünschen zu der Band, die wohl spätestens seit dem Nr.2-Album „Gegengift“ die Legitimation besitzt sich als Onkelz-Nachfolger zu bezeichnen, zwei Abende füllen können. Leider reichen hierfür jedoch ihre sieben Studioalben nicht ganz aus. Von der aktuellen Scheibe habe ich jedes einzelne Lied und vom Vorgängeralbum sicherlich 90% zum Besten gegeben. Von Weidners neuem Album wurden immerhin vier, fünf Stücke gewünscht und damit frage ich mich aktuell, ob der Mythos „Onkelz“ tatsächlich schon fünf Jahre nach dem Schlussstrich anfängt zu bröckeln.
Ich begebe mich jetzt mal auf die Suche nach etwaigen Gründen. „Aus dem Auge, aus dem Sinn“ lasse ich bewusst nicht gelten, denn tatsächlich deutet wohl einiges darauf hin! Viele Fans stören sich an Kevins Verhalten rund um seinen Prozess und auch ich bin der Überzeugung, dass er mit seinem Auftreten dazu beigetragen hat, dass viele Fans die Onkelz nicht mehr als „Götter in Zivil“ wahrnehmen. Auch der Streit zwischen Bassist und Gitarrist hat sicherlich nicht dazu beigetragen, dass die alte Zeit weiterhin so wahrgenommen wird, wie es bis zum „Vaya con Tioz“ war. Die Fassade scheint nicht nur zu bröckeln, sondern sie droht einzustürzen!
Die Onkelz wollten sich nie zu sehr kommerzialisieren lassen, es gab keine Presseausweise bei den Tourneen oder man veranstaltete Protestaktionen gegen MTV. Sie bezeichneten die „Fans“ als „Neffen und Nichten“ und diese, auch ich, identifizierten sich extrem mit der Band und den Liedern. Man sah sich als eine große Gemeinschaft Gleichgesinnter. Gerade die Aufrichtigkeit und die Ehrlichkeit wurden von den Fans immer glorifiziert, genau das war es doch was die Onkelz von anderen Bands unterschied. Aber was seit dem Lausitz-Gig passierte, welche Grabenkämpfe bis zum heutigen Tage hin geführt wurden und wie viele Unwahrheiten schon in der Vergangenheit speziell über die onkelz.de-page proklamiert wurden, stimmen anscheinend nicht nur mich traurig. Wer aufmerksam zugehört hat und sich die Texte, die Stephan dem Kevin in den Mund geschoben hat, richtig zu deuten vermochte, der wusste, dass die „Stimme der Gosse“ seine Probleme nie überwinden konnte. Auf Konzerten sang der Texter selbst immer schon die Hälfte, aber es wurde immer wieder betont, dass es dem Mann mit der besonderen Stimme doch „gut gehe“, auch vom „H“ sei er schon lange losgekommen. „Man wolle auf dem Höhepunkt gehen“ bekundeten sie bei der Veröffentlichung der „Adioz“, aber mittlerweile war der Tiefpunkt erreicht. Es existierte keinerlei Bandleben mehr, alle Last lag auf Weidners Schultern und auch wenn er den Stress genau wie die Luft zum Atmen braucht, schnürte es auch ihm langsam ein wenig die Kehle zu. Wahrscheinlich begann schon Ende der 90er ein Umdenken Weidners, seine Ideen, seine Zeilen passten nicht mehr ganz zu den Onkelz, er entwickelte sicherlich hier schon die ersten Lieder für sein Soloprojekt. Wer dem neuen Werk lauscht merkt schon beim ersten Durchhören, dass da nur noch wenig von der früheren Musik drinnen steckt. Aber Solo, dass ging nun mal nicht neben den Onkelz, diese forderten einfach schon alle Kraft, aber wie lange konnte und wollte er noch kämpfen für Dinge hinter denen er vielleicht nur noch mit 99% stand? Pe war sowieso immer der Introvertierte der Band gewesen und für ihn war es sicherlich nicht allzu bedeutend einen weiteren Weg mit seiner Band zu gehen, er wollte sowieso lieber in Südamerika leben. Gonzo schien es zu nerven, dass er zu selten was zu sagen hatte, man wollte eigentlich immer nur den Chef sprechen und Kevin lebte schon viel zu lange in seiner eigenen Welt, aus der ihn auch keiner mehr befreien konnte. Keinen festen Wohnsitz mehr, Stephan musste ihm jede Liedzeile vorsingen damit man sie auf Platte bringen konnte, aber auf der Tournee war dann schon wieder Alles vorbei. Der W sang und Kevin grölte und brüllte ein wenig in sein Mikro, während er auf der Bühne rumhampelte und nach jedem dritten Lied kurz hinter der Bühne verschwinden musste. Irgendwann war dann aber auch die Energie vom Chef aufgebraucht und die Onkelz waren in den letzten Jahren ihrer Karriere nur noch Stephan Weidner. Die Zeit zur Scheidung war also gekommen und hätte man einfach alle Karten auf den Tisch gelegt, wären letzten Samstag, fünfeinhalb Jahre nach der Trennung, sicherlich auch ein paar Lieder mehr gewünscht worden, so wie man es eigentlich auf einer „Deutsch-Rock-Party“ erwarten könnte oder etwa doch nicht?!
Bis zum nächsten Mal! Ich bin schon jetzt gespannt…
Euer Hans